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Die Geschichte der Musikfestivals – wie alles in den USA begann

In diesem und in einem weiteren Beitrag (speziell zu Europa und Deutschland) möchte ich euch kurz und knackig die Geschichte der Musikfestivals näher bringen. Los gings in den Vereinigten Staaten von Amerika…

Die Anfänge in den USA

Den Ursprung hat das Musikfestival in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort begann die Entwicklung einer Großmusikveranstaltung bis hin zur Form des heutigen Musikfestivals. Mitte der 50er Jahre wurde das erste größere und bekanntere Festival im Nordosten der USA organisiert und veranstaltet. Das Newport Jazz Festival fand 1954 im Bundesstaat Rhode Island statt. Der Jazzmusiker George Wein gründete mit seiner Frau dieses Open-Air-Festival. Bis Anfang der 70er Jahre spielten ausschließlich Jazzmusiker beim Newport Jazz Festival. Jedoch wurde das Spektrum dann noch um Rockmusik erweitert. Aber nachdem es zwischen Jazz- undRockfans mehrfach zu Auseinandersetzungen gekommen war, organisierte Wein das Festival ab 1981 wieder nach dem ursprünglichen Konzept.

Es waren auch George Wein und seine Frau Joyce, die 1959 das Newport Folk Festival auf die Beine stellten. Albert Grossmann (der später als Manager von Bob Dylan arbeitete) war ebenfalls im Gründungsteam dieses Festivals. Das Festival war sehr professionell organisiert. Aber nach nur zwei Jahren schien Schluss zu sein. Da überwiegend nur Größen aus der Musikbranche engagiert wurden, blieben junge Talente auf der Strecke. 1963 wurde die Veranstaltung neu organisiert. Newport zog 1963 40.000 Menschen an. Zwei Jahre später waren es doppelt so viele. Viele Künstler hatten ihren ersten großen Auftritt vor einem großen Publikum beim Newport Folk Festival. Es spielten dort z. B. Bob Dylan, Joan Baez und James Taylor. Das Festival war somit ein Sprungbrett für viele Karrieren. 1971 genehmigte die Stadt Newport beide Festivals nicht mehr aufgrund Auseinandersetzungen und Sachbeschädigungen. Erst 1985 wurden die Festivals fortgesetzt. Bis heute strömen jährlich tausende Musikfans nach Newport.

Für Anhänger der Rockmusik ist das folgende Festival ein ganz besonderes Event. Das Monterey International Pop Festival gilt als das wohl erste Rockfestival der Geschichte und zugleich als der „offizielle“ Anfang der Open-Air-Geschichte. Es gab eine Woche vor diesem Event ein Rockfestival, welches aber wenig beachtet wurde (das Fantasy Faire and Magic Mountain Music Festival). Das Monterey Festival fand Mitte Juni 1967 in Kalifornien statt. Ungefähr 200.000 Besucher genossen vom 16. bis 18. Juni 1967 die Atmosphäre und die Musik. Bands und Solisten wie Janis Joplin, The Who, Simon & Garfunkel, The Mamas & The Papas und Jimi Hendrix spielten ihre Musik und experimentierten auf der Bühne mit dem Equipment herum. Unter dem Motto „Music, Love & Flowers“ wurde dieses nichtkommerzielle Festival veranstaltet.

In den darauffolgenden Jahren fanden in den Vereinigten Staaten von Amerika viele weitere Festivals statt. Es gab „kleinere“ Veranstaltungen mit 10.000 Besuchern, aber auch große Festivals mit bis zu 150.000 Besuchern (ausgenommen Woodstock). Eine Statistik von Wolfgang Tilgner aus dem Jahr 1988 zeigt den Festivalwahn der Amerikaner zu dieser Zeit:

  • Zwischen 1967 und 1969 wurden in den USA 30 Festivals veranstaltet
  • 2,5 Millionen Besucher kamen
  • Über 50 % der jugendlichen Amerikaner wollte 1970 auf Festivals gehen

Die Mutter aller Festivals

Im Sommer 1969 gab es den Höhepunkt des Festivalfiebers. Vom 15. bis 17. August fand das Woodstock Festival (offiziell „Woodstock Music & Art Fair) statt. Viele Menschen kennen es und viele Beteiligte blicken gern zurück. Das legendärste Festival aller Zeiten und das als „Mutter aller Festivals“ bezeichnete Open-Air-Spektakel zog enorm viele Besucher aus ganz Amerika an. Auf einer Wiese in Bethel (im Bundesstaat New York), die dem ortsansässigen Farmer Max Yasgur gehörte, wurde das dreitägige Event veranstaltet. Der kleine Ort Bethel zählte damals 4.000 Einwohner. An diesem besagten Wochenende im Sommer 1969 vervielfachte sich die Zahl vorübergehend. Geschätzte 400.000 Menschen kamen zum Woodstock Festival. Das heißt es waren hundertmal soviel Leute im Ort zu dieser Zeit oder auf jedem Einwohner kamen 100 Festivalbesucher. Die genaue Besucherzahl kennt niemand, denn es wurden Zäune und Absperrungen umgerissen, sodass viele tausende Besucher kostenlos und ungezählt auf das Festivalgelände gelangten. Auf den Zufahrtsstraßen kam der Verkehr komplett zum Erliegen. Viele Musikfans konnten deshalb nicht bis zum Gelände und den Bühnen vordringen. Die Veranstalter rechneten mit etwa 60.000 Besuchern am gesamten Wochenende. Jedoch kamen bereits am Donnerstag 50.000 Menschen. 

Aber warum kamen so viele Menschen nach Bethel? Geprägt und beeinflusst war Woodstock vor allem durch die Hippiebewegung, die zum Zeitpunkt des Festivals ihre starke Phase in den USA erlebte. Es war eine Bewegung der Jugend. Die Anhänger, die so genannten Hippies stiegen aus der verbürgerlicht Wohlstandsgesellschaft aus, denn sie galt als als politisch erstarrt und unglücklich machend. Woodstock wurde zum Synonym für freie Liebe und Frieden. Die Menschen protestierten in der Gemeinschaft gegen den Vietnamkrieg. Auf dem Festival trafen die jungen Menschen Gleichgesinnte und somit konnten sie sich untereinander austauschen. „Love, Peace and Happiness“ waren allgegenwärtig. Das Festival lief sehr friedlich ab. Bei dieser unfassbar hohen Besucherzahl kam es nur zu wenigen Unfällen (Schnittwunden, Sonnenbrände etc.). Die Menschen gingen tolerant und friedlich miteinander um, obwohl es genug Faktoren gab, welche das Festival in einer Katastrophe hätten enden lassen können. Denn alle Lebensmittel waren schnell verbraucht, die wenigen Toiletten reichten nicht aus und das Wetter war nicht ideal (es regnete in Strömen). Offiziell wurde das Gelände zum Katastrophengebiet erklärt. Die Besucher rückten näher zusammen, genossen das Festival und machten das Beste aus der Situation.

Organisatorisch war das Festival ein Reinfall, denn die Planungen in Bezug auf sanitäre Einrichtungen, Bühnenaufbau und -technik, Verkehr, Verpflegung und Kapazität schlugen fehl. Doch Musikalisch bot das Woodstock Festival nur Leckerbissen. Musikliebhaber erlebten eine „Sternstunde“ der Rockmusik. Das Line-Up lieferte Bands und Solokünstler wie Joe Cocker, Janis joplin, Jefferson Airplane und Jimi Hendrix. Insgesamt traten 32 Künstler und Gruppen auf. Finanziell gesehen war das Woodstock Festival erst mit der Veröffentlichung eines Films und diversen Tonträgern ein Erfolg. Die Kosten während des Festivals stiegen enorm an, sodass es für die Veranstalter ein Desaster hätte werden können.

Woodstock war zwar der absolute Höhepunkt der Festivals in den 60er Jahren und es prägte viele nachfolgende Festivals, doch nach Woodstock ging es noch weiter über die Jahre und bis heute werden zahlreiche Open-Air-Festivals in den USA veranstaltet.

In den Anfängen waren die meisten Festivals schlecht organisiert. Es gab schlichtweg zu wenig sanitäre Einrichtungen, zu wenig Platz, schlechte Soundsysteme und und und. Heutzutage finden jedoch sehr professionell organisierte Festivals statt. Meist werden diese von Eventagenturen mit qualifizierten und erfahrenen Personal durchgeführt.

Das Thema “Geschichte der Musikfestival” bearbeitete ich bereits in meiner Bachelorarbeit “Festivaltourismus am Standort Deutschland” im Jahr 2012. In diesem Beitrag sind überwiegend Passagen daraus wieder verarbeitet worden. Das Buch von Katka Willenstein und Folkert Koopmans (2007): “Von Musikern, Machern und Mobiltoiletten – 40 Jahre Open Air Geschichte.” haben mir bei meiner Zusammentragung sehr geholfen und natürlich auch weitere Quellen wie beispielsweise www.wissen.de/lexikon/newport-jazzfestival. Das Buch ist sehr zu empfehlen für all diejenigen, die mal etwas tiefer in die Materie blicken möchten.

 

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