Inproducing

Inproducing #1 – The Micronaut

In seinem Hinterhof-Studio in Leipzig-Leutzsch trafen wir den gebürtigen Rostocker Stefan aka The Micronaut, wo er uns Rede und Antwort stand und sich nicht lumpen ließ und seine Maschinen für uns anschmiss. Heraus gekommen dabei ist ein superschöner abwechslungsreicher melodischer Track, den ihr weiter unten im Video lauschen könnt. Nach einem herzlichen Empfang zeigte uns Stefan seine Kreativschmiede, wo er Tag für Tag an neuen Ideen arbeitet. Gleich nach Betreten des Raumes merkte man sofort, dass es sich um ein Tonstudio handelt. Nicht nur wegen der vielen Gerätschaften, der Lichtknappheit von außen und dem Bodenbelag aus Teppich, sondern auch wegen des herrlichen Geruches, welcher so typisch für ein Tonstudio ist. Den erkennt man sofort, so wie den von gesägten Holz oder Regen im Sommer.

Seit wann machst du Musik und wie hat sich die Art Musik zu produzieren bei dir über die Jahre verändert?

The Micronaut: Vom ersten Step an da war ich so um die 15 Jahre alt und habe von meinem Onkel die Gitarre ausgeliehen. Das war dann eher rum probieren. Mit 18/19 Jahren habe ich während der Ausbildung in einer Band Musik gemacht, so Metal-Hardcore-Punk Band. Das habe ich dann auch 10 Jahre lang gemacht. Elektronische Musik war dann eigentlich nur aus Verzweiflung heraus, weil ich hatte dann keine Band mehr, hatte aber Bock auf Mukke machen. Ich habe dann angefangen mir für die Gitarre Effekte zu kaufen, womit ich loopen kann, bisschen Hall und Echo und so. Ich habe Soundkollagen mit Gitarre gemacht – das war eigentlich so der Anfang. Alleine Musik zu machen war also um 2001/2002.

Gibt es eine bestimmte Vorgehensweise (Plan) beim Produzieren oder ist das bei dir immer unterschiedlich?

M: Es war mal so, dass ich immer mit Melodien und Flächen angefangen habe. Aber mittlerweile gibt es dadurch, dass ich ein Studio habe und das Equipment immer aufgebaut ist, keinen gleichen Ablauf mehr. Ich mache einfach alles an und fange an rum zuschrauben, manchmal baue ich erst Beats, manchmal spiele ich erst Gitarre und nehme es auf. Es ist immer unterschiedlich.

Wie sieht dein aktuelles (Live-)Set-Up aus?

M: Was ich immer dabei habe ich von Yamaha die R7000. Das Ding nutze ich auch als Sampler. Da sind alle Beats und alle Flächen drauf. Percussion-Sound mache ich mit dem Korg S1, auch ein Sampler. Mein Live-Set-Up ist so, dass ich diese beiden Sampler auf der Bühne stehen habe und alles, was ich am Rechner produziere, muss ich ganz klein schneiden, weil der Arbeitsspeicher ist nur 64MB groß, Megabyte! (Stefan lacht). Ich muss es alles superklein schneiden in Schnipsel und dann komplett arrangieren und neu setzen in diesen beiden Sampler. Dann habe ich immer noch Gitarreneffekte dabei wie Delay, Hall und Verzerrer. Eine Gitarre selbst habe ich auch dabei und ein Mikrofon. Ich habe ein Mischpult, wo alles drauf geroutet ist. Und noch die MPD32 von Akai, wo ich Samples abfeuern und Effekte drüber steuern kann. Was total wichtig ist: Ich habe eine eigene Lichtshow dabei.

Was ist dein Lieblings-Equipment, auf was du auf gar keinen Fall verzichten möchtest?

M: Das wichtigste glaube ich, ist das, wo ich nur noch schwer rankomme. Was in jeder Produktion dabei ist, ist der Poly 61 von Korg. So eine alte Kiste aus den 80er mit richtig geilen Retro-Sound. Es ist jetzt nicht high-level, aber ich nutze das Ding, weil es Spaß macht darauf zu spielen. Ansonsten, was auch total wichtig ist hier im Studio, ist der alte Music Man Verstärker von 1968. Ich schicke viele Sachen darüber und nehme sie dann neu auf. Zum Gitarre spielen ist der Music Man soundlich der geilste Amp, den ich je hatte. Der Rest ist austauschbar. Man sollte sich nicht abhängig von den Geräten machen. Man soll das, was man hat, gut nutzen können und wenn es am Ende nur ein Laptop ist, dann ist es auch in Ordnung.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Momentan bereitest du einen Auftritt mit dem Leipziger Gewandhausorchester vor, was genau erwartet uns da?

M: Wir spielen 60 bis 90 Minuten, das ist noch nicht ganz klar. Es sind sechs Musiker vom Gewandhaus (zwei Mal Violine, eine Bratsche, ein Cello, eine Trompete und eine Klarinette). Ich denke mir komplett die Spuren aus, welche sie spielen sollen. Die Partituren drucke ich ihnen aus und sie spielen 1:1 das, was ich ihnen vorlege. Ich spiele live mit meinen Geräten mit. Es kriegt dadurch natürlich einen leichten elektronischen Touch, aber ich will es nicht so machen, dass ich ein Lied mache und sie spielen dazu, sondern ich will auch Sachen probieren, die ich vorher nie gemacht habe. Es sind viele ungerade Takte, also nicht so tanzbar, sondern mehr zum Hören. Es wird sehr experimentell. Es ist am 28. April, nicht mehr so lange hin.

Man sollte sich nicht abhängig von den Geräten machen. Man soll das, was man hat, gut nutzen können …

Als Teil der 3000Grad-Crew bist du bezüglich des gleichnamigen Festivals regelmäßig aktiv involviert. Gibt es neben dem 3000Grad Festival noch andere Open Airs, welche du ins Herz geschlossen hast?

M: Ja, auf jeden Fall. Die letzten drei Jahre hatte ich immer das Glück, dass ich auf dem Wilde Möhre Festival spielen konnte. 3000Grad ist natürlich die Familie, die Crew, die Hood, mein Hafen auch. Aber neben dem 3000Grad Festival muss ich echt sagen, dass die Wilde Möhre Crew auch ähnlich sehr familiär sind und das merkt man auf dem Festival auch ganz doll. Fusion ist natürlich auch ein supergeiles Festival, da zu spielen ist auch immer hammer. Und Plötzlich am Meer fand ich gut, das war ja letztes Jahr leider nicht. Es gibt schon einige Festivals, wo ich sage “wow”. Auch hier bei Leipzig so ein kleines Festival – Keine Fische aber Grethen. Ein kleines Festival mit 300 bis 400 Leuten, auch super familiär und ein geiles Orga-Team.

Die Vorbereitungen bei den Festivals laufen auf Hochtouren, so auch das Booking. Kannst du schon verraten, wo wir dich nächsten Sommer spielen sehen können?

M: Fusion und 3000Grad auf jeden Fall, Zytanien Festival in Immensen, dann das Natürlich Irre Festival und in Magdeburg 3000Grad Wanderzirkus. Das sind die bis jetzt Feststehenden.

Im November 2018 hast du einige Gigs in Italien gespielt, im letzten Sommer warst du unter anderem in Skandinavien unterwegs. Gibt es spürbare Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern in Bezug auf das Publikum oder auch die Organisation der Events?

M: Nein, da muss ich sagen, da ist schon immer alles ähnlich. Als ich vor zwei Jahren in Indien war, das war schon anders. Organisatorisch nicht, es war alles super gut geregelt. Aber ich glaube man hat einen kleinen Bonus, wenn man als Europäer dort hinkommt, dass man ein anderes Augenmerk bekommt. Was in Deutschland ein bisschen anders ist, dass hier 90 % Techno mit gerader Bassdrum gut ankommen. Wenn du so ein bisschen schräge Beats hast, dann ist es schon ein wenig außer der Reihe. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Leute in Polen und Tschechien ein bisschen offener sind, was Break Beats angeht. Da ist Deutschland manchmal ganz schön festgefahren – die gerade Bassdrum läuft, alle anderen Sachen haben es da ein bisschen schwer.


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