Inproducing

Inproducing #2 – Kalipo

In dieser Inproducing-Edition widmen wir uns einen Liveact, der seit Jahren sowohl solo als auch mit seiner Band Frittenbude erfolgreich durchs Land und darüber hinaus reist. Im Gepäck hat er stets Lust und Laune und jede Menge musikalischen Output. Die Rede ist von Kalipo alias Jakob Häglsperger. Der gebürtige Bayer und Wahlberliner hat einen aufregenden Festivalsommer hinter sich und die Zeit gefunden, uns ein paar Fragen zu beantworten. Er gab uns außerdem einen Einblick in die heiligen Räume in Berlin-Rummelsburg, wo er seine Musik produziert und wo unter anderem das aktuelle Frittenbude Album “Rote Sonne” entstand.

Bist du wie viele andere Producer über das DJing zum Musikmachen gekommen oder direkt ins Producing eingestiegen?

Kalipo: Das war so 1998, zu der Zeit haben wir alle Hip Hop gehört und waren nur am Freestylen. Da haben dann einfach die Beats zum Freestylen gefehlt und ich habe somit angefangen zu Produzieren. Es war ganz rudimentär am Anfang, mein Bruder und ich hatten irgendwann mal zwei Kassettenrekorder geschenkt bekommen und ich hatte ein Casio-Keyboard. Damit konnte ich dann im Overdub-Verfahren von der einen Kassette auf die andere Kassette immer wieder eine Spur dazu aufnehmen. Das waren so die ersten Versuche und seitdem war es klar, seitdem bin ich dabei geblieben und habe auch nur das gemacht. Parallel dazu habe ich angefangen Hip Hop aufzulegen, das dann aber irgendwann auch wieder sein lassen, weil ein guter DJ muss regelmäßig guten Sound diggen. Dafür hatte ich einfach nicht die Zeit, da ich selber soviel am Produzieren war.

Und wie bist du zur elektronischen Musik gekommen?

K: Das war so 2000/2001 mit dem Feiern. Ein ganz großer Einfluss war damals Gigolo Records. Als ich das erste Mal das Doppeleffekt Gesamtkunstwerk-Album gehört habe hat es bei mir Klick gemacht. Techno (im entferntesten Sinne) kann geil sein, dachte ich mir.

Mit welchem Equipment oder mit welcher Software hast du begonnen?

K: Damals noch viel mit Nuendo von Steinberg, aber die ersten Alben sind mit dem ersten Korg Electribe Sampler SX entstanden. Mit dem habe ich viel Techno gemacht und daraus ist dann auch Frittenbude entstanden. Und so ist das immer weiter gewachsen. Viele Shows gespielt, Geld verdient und das Geld dann gleich wieder in neue Synthesizer investiert.

Welches Teil aus deinem Studio ist für dich beim Produzieren nicht mehr wegzudenken?

K: Das wechselt immer, ich versuche zu jedem Album ein spezielles Gerät zu haben und zu benutzen. Ich habe beim ersten Kalipo-Album viel mit dem Elektron Octatrack gemacht. Jetzt habe ich viel mit der Akai MPC Live gemacht. Synthesizer-mäßig stehe ich sehr auf Moog (Moog Voyager, Moog One), aber ich liebe auch sehr den Prophet 6. Ich habe schon irgendwann ausgemistet. Viele andere Synthesizer bin ich losgeworden, da ich sie eh nur einmal im Jahr benutzt habe Ich will mir auch keinen neuen Synthesizer mehr kaufen, ich glaube jetzt reichts (lacht).

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Live Performance

Mit welchem Live-Setup performst du momentan und bist du damit zufrieden?

K: Ich habe früher viel komplett analoge Live-Sets gespielt, also nur mit Elektron hauptsächlich. Da hatte ich dann oft das Problem, dass ich in die Übergänge nicht so gut reingehen konnte, man ist ja da schon sehr Pattern-orientiert. Und auch das EQing der einzelnen Tracks war da ein bisschen schwer. Irgendwann ist mir der Octatrack auf Tour kaputt gegangen und da habe ich mir gesagt “Komm jetzt switche ich auf Ableton Live”. Und da war dann doch alles viel flüssiger und dabei bin ich dann geblieben. Jetzt ist es ein Mix aus Ableton Live, welches ich mit der APC steuere, und der MPC Live, womit ich viel Instrumente/Percussion spiele. So bleibt es nicht nur beim Mischen, sondern hat auch ein Live-Element mit drin. Das ist momentan das Setup und damit bin ich auch ganz happy. Man spielt oft spät in irgendwelchen kleinen DJ-Kanzeln, wo einfach nicht viel Platz ist und da muss es mit einem kleinen powervollen Setup funktionieren. Letztendlich zählt das, was die Leute hören, nicht zwingend wie du es machst. Der ganze technische Aspekt ist zwar schön nerdig und auch cool für einen selber, aber für die meisten zählt einfach der Sound und die Stimmung. Dann ist meistens egal, wie man es macht.

Welche Einflüsse treiben deine Musik voran bzw. wo nimmst du deine Inspiration her?

K: Es wechselt und ist ein bisschen wellenartig. In letzter Zeit war ich schon inspiriert von einer stumpfen Idee, was sehr Energetisches zu machen. So wird jetzt auch der neue Kalipo-Sound, da wird sich ein bisschen was wandeln. Ich habe jetzt ein Jahrzehnt lang sehr ruhige und chillige Musik gemacht, das werde ich brechen. Ich will wieder mehr nach vorne gehen und mehr Power in der Musik haben. Das war so die Inspiration und natürlich das alltägliche Leben, wie man sich gerade fühlt und welche Emotionen man gerade hat. Ich mach auch nicht so viel hier im Studio, viele Ideen entstehen zu Hause mit der MPC, ich nehme mir dann auch einen Synthesizer mit. Wenn es mich dann juckt, muss es super schnell gehen. In 10 Minuten muss eigentlich die ganze Basis von dem Song stehen.

Für die Elektropunk-Band Frittenbude hast du bereits mehrere Alben produziert. Seit Anfang des Jahres ist das neue Album “Rote Sonne” draußen. Wie sah euer Festivalsommer aus und was war euer Highlight?

K: Wir waren fast jedes Wochenende unterwegs, Shows gespielt, entweder mit Frittenbude oder Kalipo. Da sind viele Shows geil, ein paar nicht so geil. Aber es sticht da auch nicht eins so krass heraus. Vielleicht war es wirklich Southside/Hurricane auf dem Zeltplatz, wo man nicht genau wusste wie es wird, gut oder schlecht?! Es kamen aber viele Leute und es hat total viel Spaß gemacht. Vielleicht kann man sagen, die geilsten Shows waren die unerwartet geilen Shows, wo man eigentlich dachte, das wird schwer und dann auf einmal war es gut. Das macht dann am meisten Spaß.

Hast du eventuell einen Festival Geheim-Tipp?

K: Was ich ganz geil fand und auch nicht auf dem Schirm hatte, waren zwei Festivals. Eins mit Kalipo, das war das Klangtherapie Festival. Und noch eins in Bayern, wo wir mit Frittenbude gespielt haben, das war das Puch Openair.

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