Inproducing

Inproducing #3 – Schlepp Geist

Als wir uns im Oktober mit Schlepp Geist trafen, hatten wir ein kleines Déjà-vu. Denn wie auch schon The Micronaut, verschlug es einen Rostocker nach Leipzig 🙂 Die Sachsen-Metropole kann allerhand kreative Köpfe zu seinen Einwohnern zählen. Basti aka Schlepp Geist hat sich über die letzten Jahre einen Namen in der House- und Technoszene des Landes erarbeitet und erspielt. Seine Live-Sets performt er in namhaften Clubs und auf beliebten Festivals, welche von Nord nach Süd und West nach Ost reichen. In seinem Plagwitzer Studio erzählte er uns mehr über sein Werdegang und seine Technik, welche er zum Musizieren am Start hat.

Du spielst gefühlt jedes Jahr auf der Fusion. Wann war dein allererster Fusion-Gig?

Schlepp Geist: Mein erster Fusion-Gig war 2013. Aber ich bin seit 1999 jedes Jahr als Gast zur Fusion gefahren, weil es mein Lieblings-Festival ist. 2013 habe ich das erste Mal dort gespielt und dann auch gleich das Tanzwüsten-Opening (damals hieß es noch Tanzwiese). Das war auf jeden Fall ein spannender Moment. Die darauffolgenden Jahre, also 2014, 2015, 2016 (2017 fiel es aus) und 2019 habe ich auf der Fusion gespielt, 2018 nicht.

Sticht ein Gig beim Fusion Festival für dich besonders heraus?

S: Ja auf jeden Fall die Tanzwiesen-Eröffnung, weil ich hatte solch ein großen Respekt vor diesem Festival und war übelst aufgeregt. Es war ein schöner Moment, aber ich kurz vorm Kollabieren. Ich habe es nicht mal geschafft, mir eine Kippe anzuzünden mit meinen wackeligen Händen. Und dieses Jahr fand ich es sehr fett bei den Bachstelzen.

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Schlepp Geist live – Fusion 2013 Tanzwiese Opening

Machst du seit der ersten Stunde elektronische Musik oder gab es Umwege dorthin?

S: Ich glaube, ich habe so diesen Standard-Weg hinter mir. Es fing an mit Hip Hop, Drum’n’Bass und dann kam House und Techno. Ich habe früher Hip Hop-Beats und Drum’n’Bass produziert, aber das war nur zu Hause für mich im Kellerchen.

Deine Live-Sets spielst du unter anderem mit der DAW Ableton Live, welches Equipment nutzt du außerdem?

S: Es ist eine Kombination aus Software und Hardware. Der Elektron Analog Rytm ist immer dabei für die Drums, den benutze ich jetzt seit 2 oder 3 Jahren. Alles andere drum herum wechselt öfter. Den Digitone von Elektron habe ich jetzt auch mit ins Live-Setup eingebunden, der ist auch super. Die Nord Drum habe ich auch dabei, welche ich allerdings nicht live mit Sticks spiele, sondern mit dem Step-Sequenzer ansteuere. Und der Rest kommt aus Ableton. Mit dem Beatstep von Arturia steuere ich noch einen Software Synthesizer namens Diva an. Das reicht dann, ich will es mir tatsächlich nicht zu kompliziert machen, sonst geht der Spaß flöten. Ich bräuchte eigentlich acht Arme, um das zu machen, was ich live gerne machen wollen würde. Aber man muss einen Kompromiss finden, und so funktioniert es ganz gut .

Warum spielst du nicht komplett analog bzw. worin siehst du die Vorteile von Ableton Live?

S: Ich mache viele Track, wo Vocals drin sind. Die sind dann auch länger als One Shot Vocals, es sind quasi komplette Vocal-Spuren. Und da habe ich bis jetzt noch keine adäquate Hardware-Lösung gefunden, um die Vocals mit einzubinden. Ich habe es mit dem Elektron Octatrack probiert, aber das ist nicht so meins, das ist mir alles zu fummelig. Ich möchte schon ein bisschen mehr machen, als einfach nur komplett fertige Spuren abzufeuern. Es gibt viele Leute, welche den Octatrack live benutzen und auf einen Laptop verzichten. Aber sie feuern komplette Stems von kompletten Einzelspuren einfach über den Octatrack ab und das ist mir dann auch ein bisschen zu low. Da kann ich dann auch Ableton nehmen und das ist mir übersichtlicher. Für Vocals und Percussion (alles was so drum herum passiert und nicht wirklich live ist) ist Ableton Live super. Deswegen habe ich mich bis dato für diese Variante entschieden.

Spielst du jedes Mal ungefähr das gleiche Live-Sets oder baust du es jeweils um?

S: Nee, das variiert eigentlich die ganze Zeit. Ich habe inzwischen so viel Material, sodass kein Live-Set wie das andere klingt. Es sind schon Parallelen drin, aber es ist nie zweimal das Gleiche.

Was hälst du von den ganzen neuen Geräten a lá Deluge, Roland MC-101 usw., die den Markt regelrecht überfluten?

S: Puh, damit beschäftige ich mich gar nicht so doll. Ich versuche mich tatsächlich Gerätemäßig auch mal zu beschränken. Hier im Studio stehen zwar auch ein paar Sachen rum, aber soviel ist es am Ende gar nicht, alles hat seine Aufgabe. Wenn ich neue Geräte teste, schicke ich die auch gerne mal wieder weg. Ich denke mir: Brauche ich das wirklich, um einen Sound weiterzuentwickeln? Zum Beispiel bin ich total zufrieden mit dem Sub37 von Moog und da brauche ich jetzt nicht noch irgendsoeinen Behinger-Klon. Die alten Roland-Kisten sind cool, ein 106 hätte ich schon gerne im Original. Ich verfolge den Markt mit den neuen Geräten zwar, aber am Ende überzeugt mich davon relativ wenig. Auch für die ganzen Roland-Boutique Dinger habe ich mich nie so richtig interessiert. Da würde ich mir es dann lieber einmal im Original anschaffen, weil es für mich mehr Charakter hat. Von diesen Nachbauten halte ich nicht so viel.

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Schlepp Geist Studio Session

Auf was würdest du in deinem Live-Setup und auch im Studio-Setup niemals verzichten?

S: Ganz klar der Elektron Analog Rytm. Der ist zwar gerade nicht da (lacht), aber er ist für die Drums das Hauptgerät. Im Studio würde ich nicht auf den Nord Lead und den Moog verzichten. Bei dem Nord Lead ist es der 2X, ich habe mehrere durchprobiert und der 2X klingt für mich am besten. Die ganzen Nachfolger finde ich nicht mehr so cool. Der allererste hat noch einen geilen Charakter, weil er so schön rough klingt.

Bis zur nächsten Festival-Saison sind es noch ein paar Monate hin, hast du schon Pläne oder bereits Bookings?

S: Ich weiß es nicht genau, aber ich glaube ein paar Sachen sind es schon. Aber sowas wie die Fusion oder ähnliches habe ich jetzt noch nicht drin. Im Sommer machen mir ganz klar Festivals mehr Spaß, aber jetzt freue ich mich erstmal wieder auf die Clubs. Nun wechselt es ja auch wieder ein wenig vom Sound her, Sommer/Winter-Sound. Man spielt auf den Festivals schon Open-Air-kompatibler und im Club kann man dann auch mal ein bisschen mehr Gas geben.

Du lebst und arbeitest in Leipzig. Warum nicht im Mekka der elektronischen Musik Berlin? Was reizt dich an Leipzig und was ist hier in den letzten Jahren entstanden?

S: Ich habe lange in Berlin gewohnt, aber mir ging es da auf den Sack. Für mich ist die Stadt einfach zu stressig und zu hektisch. Ich habe meine Freundin damals kennengelernt und sie hatte keinen Bock mehr auf ihren alten Job. Das war eine super Gelegenheit, um zu schauen, wo man hingehen kann. Da haben wir uns für Leipzig entschieden. Die Szene hier ist super, aber es ist genauso schwierig wie woanders auch. Clubs machen auf und zu, Clubs müssen teilweise umziehen (der Gentrifizierung geschuldet). Es gibt hier eine super Szene. Mit der Distellery und dem IfZ gibt es hier zwei sehr gute Clubs in der Stadt. Es gibt natürlich auch viele andere kleinere schöne Clubs. Es ist eine mega kreative Stadt, aber auf jeden Fall entspannter und gechillter als Berlin.

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